Lateinische Pflanzennamen lesen.
Von Bastian Portes ·
Bellis perennis, Mentha × piperita, Rosa ‘Gloria Dei’: Botanische Namen sehen kompliziert aus, folgen aber einem einfachen Muster. Wer ein paar Wörter kennt, liest am Namen ab, wie die Pflanze aussieht, wo sie wächst oder wozu man sie früher brauchte.
Zwei Wörter: Gattung und Art
Seit Carl von Linné 1753 sein Werk Species Plantarum veröffentlichte, hat jede Pflanzenart einen Namen aus zwei Teilen. Vorne steht die Gattung, groß geschrieben, dahinter das Artepitheton, klein geschrieben. Beides steht kursiv.
Oft folgt ein Kürzel für die Person, die den Namen vergeben hat. Ein einzelnes „L.“ steht für Linné: Bellis perennis L. ist das Gänseblümchen, so wie Linné es benannt hat.
Wörter, die immer wieder vorkommen
Viele Artnamen beschreiben die Pflanze. Ein kleines Wörterbuch:
- officinalis
- in der Apotheke verwendet, eine alte Heilpflanze
- vulgaris
- gewöhnlich, weit verbreitet
- sylvestris
- im Wald wachsend
- pratensis
- auf der Wiese wachsend
- montana
- aus den Bergen
- alba, rubra, lutea
- weiß, rot, gelb
- grandiflora
- großblütig
- odorata
- duftend
- repens
- kriechend
- perennis
- ausdauernd, mehrjährig
- -ensis, -ana
- Herkunft, zum Beispiel chinensis aus China, koreana aus Korea
- -ii, -i, -ae
- benannt nach einem Menschen, im Genitiv
Zeichen und Zusätze
Nach den zwei Wörtern kann noch mehr kommen. Das bedeuten die häufigsten Zusätze:
- ×
- eine Kreuzung zweier Arten, ein Hybrid. Die Pfefferminze Mentha × piperita ist so einer.
- subsp.
- Unterart, eine deutlich abweichende Form innerhalb der Art
- var.
- Varietät, eine kleinere natürliche Abweichung
- ‘Name’
- in einfachen Anführungszeichen: eine gezüchtete Sorte, etwa Rosa ‘Gloria Dei’
- sp. und spp.
- eine oder mehrere nicht näher bestimmte Arten einer Gattung
- cf.
- vergleiche: sieht aus wie diese Art, ist aber nicht sicher bestimmt
Warum überhaupt Latein?
Weil deutsche Namen nicht eindeutig sind. „Butterblume“ kann je nach Gegend Löwenzahn, Hahnenfuß oder Sumpfdotterblume heißen. Der lateinische Name gilt weltweit, in Japan genauso wie in Bayern.
Und bei Kristallgras?
Jede Pflanze bei uns trägt einen Namen nach diesem Muster. Salomia bergeri heißt: Gattung nach Salome, Art nach Berger, im Genitiv. Paare bekommen das Kreuzungszeichen: Aus Anna und Max wird Annia × maxii. Und wer keinen Nachnamen einträgt, bekommt die Herkunft, etwa Fritzia inzellensis.
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