Warum Pflanzen nach Menschen heißen.
Von Bastian Portes ·
Fuchsie, Dahlie, Magnolie, Begonie: Hinter vielen Gartenblumen steckt ein Mensch. Meist ein Botaniker, manchmal ein Gönner, fast nie die Person, die die Pflanze entdeckt hat. Eine kurze Geschichte der Pflanzen mit Nachnamen.
Von Leonhart Fuchs zur Fuchsie
Leonhart Fuchs war Arzt und Professor in Tübingen und veröffentlichte 1542 eines der ersten großen Kräuterbücher mit genauen Abbildungen. Eine Fuchsie hat er nie gesehen: Die Pflanze wächst in Mittel- und Südamerika und wurde erst über hundert Jahre nach seinem Tod beschrieben.
Benannt hat sie der französische Botaniker Charles Plumier, um 1703, als Verbeugung vor einem Vorgänger, den er bewunderte. So läuft es bis heute: Wer eine Pflanze beschreibt, darf ihr einen Namen geben, und ehrt damit oft jemand anderen.
Weitere Pflanzen mit Namenspaten
Ein paar bekannte Beispiele aus dem Garten und der Wohnung:
- Dahlie (Dahlia)
- Anders Dahl, schwedischer Botaniker und Schüler von Carl von Linné
- Magnolie (Magnolia)
- Pierre Magnol, Botaniker in Montpellier
- Begonie (Begonia)
- Michel Bégon, französischer Verwaltungsbeamter und Förderer der Botanik
- Kamelie (Camellia)
- Georg Joseph Kamel, Jesuit und Apotheker auf den Philippinen
- Forsythie (Forsythia)
- William Forsyth, schottischer Gärtner
- Zinnie (Zinnia)
- Johann Gottfried Zinn, Arzt und Botaniker in Göttingen
- Lobelie (Lobelia)
- Matthias de l’Obel, flämischer Arzt und Botaniker
- Moosglöckchen (Linnaea borealis)
- Carl von Linné selbst, es soll seine Lieblingspflanze gewesen sein
Wie aus einem Namen Latein wird
Für die Gattung wird der Name latinisiert und meist mit -ia oder -a weiblich gemacht: aus Fuchs wird Fuchsia, aus Dahl Dahlia, aus Magnol Magnolia.
Beim zweiten Teil, dem Artnamen, steht der Mensch im Genitiv, also „des Fortune“ oder „der Banks“. Auf Latein heißt das dann Rhododendron fortunei nach dem Pflanzenjäger Robert Fortune oder Rosa banksiae nach Lady Dorothea Banks. Die Endung -ii oder -i steht für Männer, -ae für Frauen.
Orte funktionieren ähnlich, mit der Endung -ensis: Rosa chinensis ist die Rose aus China.
Kann man sich eine Pflanze nach sich selbst benennen?
Verboten ist es nicht, aber es gilt unter Botanikern als unfein. Üblich ist, dass andere einen ehren. Damit ein neuer Name gilt, muss die Pflanze außerdem wissenschaftlich beschrieben und veröffentlicht werden, und ein getrockneter Beleg muss in einem Herbarium liegen.
Und bei Kristallgras?
Unsere Pflanzen sind erfunden und stehen in keiner Flora. Die Namen bilden wir aber nach genau diesen Regeln: aus dem Vornamen die Gattung, aus dem Nachnamen im Genitiv die Art. Aus Salome Berger wird Salomia bergeri, ohne Nachnamen gibt der Ort den Namen, mit -ensis. So bekommt jeder eine Pflanze, die nach ihm heißt, ohne dass man jemand anderen fragen muss.
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